Naturkosmetik

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Naturkosmetik vs natürliche Kosmetik – Warum Naturkosmetik nicht immer besser ist

FACES OF FEY | Zuletzt aktualisiert: 05.04.2026 | Lesezeit ca. 6 min

Das Wichtigste in Kürze:

Total im Trend liegend und mittlerweile in der Kosmetikindustrie immer stärker vertreten: Naturkosmetik. Doch wie genau definiert man Naturkosmetik und worin unterscheidet sich diese von Klassischer sowie natürlicher Kosmetik? Ist Naturkosmetik wirklich immer Bio, immer vegan oder nachhaltig und somit immer die beste Wahl? Das erfährst Du jetzt.

Naturkosmetik vs natürliche Kosmetik – Warum Naturkosmetik nicht immer besser ist

Total im Trend und mittlerweile in der Kosmetikindustrie immer stärker vertreten: Naturkosmetik. Doch wie genau definiert man Naturkosmetik und worin unterscheidet sie sich von klassischer sowie natürlicher Kosmetik? Ist Naturkosmetik wirklich immer Bio, immer vegan oder nachhaltig — und damit immer die beste Wahl? Das erfährst Du jetzt.

Was ist Naturkosmetik?

Grundsätzlich bezeichnet man Kosmetika, die aus natürlichen Rohstoffen hergestellt worden sind und damit für Umwelt und Mensch schonend sind, als Naturkosmetik. Somit beinhaltet Naturkosmetik bestimmte umstrittene chemisch-synthetische Inhaltsstoffe nicht, die in anderen Kosmetika vorhanden sein können.

Jedoch gibt es keine einheitliche internationale Definition, welche den Bereich der Naturkosmetik exakt abgrenzt. Der Definition des Bundesgesundheitsministeriums nach darf Naturkosmetik keine Konservierungsstoffe und nur Rohstoffe aus pflanzlichem, tierischem oder mineralischem Ursprung beinhalten. Der Europarat definiert Naturkosmetik darüber hinaus als Kosmetik, die nur physikalisch, mikrobiologisch oder enzymatisch verarbeitet werden darf.

Was ist klassische / konventionelle Kosmetik?

Als konventionelle Kosmetik bezeichnet man Kosmetika, die größtenteils aus synthetischen Rohstoffen hergestellt wurden. Die klassische Kosmetik richtet sich nach der EU-Kosmetikverordnung.

Kosmetik Rohstoffe

Was ist naturnahe Kosmetik?

Es gibt auch natürliche oder naturnahe Kosmetik, bei welcher vermehrt natürliche Inhaltsstoffe vorkommen. Diese verzichtet ebenfalls auf bestimmte Roh- und Inhaltsstoffe wie Mineralöle, Parabene oder gentechnisch veränderte Rohstoffe.

Was ist der Unterschied zwischen synthetischen und natürlichen Inhaltsstoffen?

Beim Thema Naturkosmetik oder konventioneller Kosmetik fallen immer wieder die Begriffe natürliche und synthetische Inhaltsstoffe. Die Naturkosmetik-Industrie suggeriert gerne, dass synthetisch immer schlecht und natürlich immer gut sei. Das lässt sich so allerdings nicht verallgemeinern.

Synthetische Inhaltsstoffe

Als synthetische Inhaltsstoffe bezeichnet man Stoffe, die synthetisch hergestellt wurden. Dazu zählen unter anderem Polyethylenglykol, Parabene, Paraffine, Silikone, synthetische Duftstoffe und Emulgatoren, deren Wirkung teilweise umstritten ist. Ebenso zählen aber auch wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine (vor allem Vitamin A, B3, E und C) zu den synthetischen Inhaltsstoffen — sowie Hyaluronsäure, verschiedene Peptide und Panthenol, das in der Haut zu Vitamin B5 umgewandelt wird und bei Entzündungen und Juckreiz hilft. Mehr über Hyaluronsäure erfährst Du in unserem Hyaluronsäure-Artikel.

Natürliche Inhaltsstoffe

Natürliche Stoffe sind zum Beispiel natürliche Öle und Fette — darunter Olivenöl, Leinöl, Kokosöl, Mandelöl, Walnussöl, Sheabutter, Kakaobutter, Bienenwachs und Hanfsamenöl. Viele dieser Öle wirken vor allem bei trockener und empfindlicher Haut. Olivenöl wirkt beispielsweise entzündungshemmend und fördert die Elastizität des Bindegewebes. Neben Ölen zählen auch verschiedene Pflanzenextrakte zu den natürlichen Inhaltsstoffen — je nach Pflanze mit feuchtigkeitsspendenden, entzündungshemmenden, talgregulierenden, adstringierenden, beruhigenden oder antioxidativen Eigenschaften. Mehr über Sheabutter erfährst Du in unserem Sheabutter-Artikel.

Naturkosmetika enthalten vermehrt natürliche Stoffe — doch auch viele davon sind bei genauerer Betrachtung nicht unbedingt gut für Haut, Haare und Gesundheit. So enthalten fast alle Naturkosmetika Alkohol als Extraktions- und Konservierungsmittel. Einwertige Alkohole trocknen die Haut extrem aus, was zu starken Rötungen, Juckreiz und im schlimmsten Fall Entzündungen führen kann. Auch ätherische Öle, die in vielen Naturkosmetika enthalten sind, können zu unangenehmen Hautreizungen und allergischen Reaktionen führen — einige Öle sind sogar toxisch. Neben fehlendem Sonnenschutz sind ätherische Öle der Hauptgrund für häufig auftretende Pigmentstörungen.

Was bedeutet zertifizierte Naturkosmetik?

Zertifizierte Naturkosmetik wird durch bestimmte Zertifikate verschiedener Verbände mit unterschiedlichem Schwerpunkt bestimmt. Da der Begriff Naturkosmetik nicht gesetzlich geschützt ist, zeichnen vor allem Siegel Naturkosmetik aus. Hersteller von zertifizierter Naturkosmetik müssen sich an die Richtlinien des jeweiligen Siegels halten.

Kosmetiksiegel mit dem Schwerpunkt Naturkosmetik

Bei dem Schwerpunkt Naturkosmetik gibt es verschiedene Verbände wie BDIH, Ecocert oder Cosmebio. Diese haben sich teilweise zusammengeschlossen, um einen gemeinsamen internationalen Naturkosmetikstandard aufzubauen. Produkte, die mit dem COSMOS Natural-Label gekennzeichnet sind, folgen diesem Standard.

BDIH Siegel

Das BDIH-Siegel (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel) verbietet die Verwendung bestimmter Rohstoffe wie Paraffine, Erdölprodukte, Silikone oder synthetische Duft- und Farbstoffe. Chemisch hergestellte Konservierungsmittel müssen gekennzeichnet werden. Tierversuche sowie Inhaltsstoffe toter Wirbeltiere und Nerzöl sind untersagt. Ausgewählte pflanzliche Inhaltsstoffe müssen in Bio-Qualität vorhanden sein.

Natrue Siegel

Das Natrue-Siegel untersagt ebenfalls Tierversuche, Nerzöl und ausgewählte chemisch-synthetische Inhaltsstoffe. Naturnahe Stoffe dürfen — anders als beim BDIH — nicht durch chemische Reaktionen verändert werden. Der Anteil solcher Stoffe ist hier nur sehr eingeschränkt zugelassen.

Ist Naturkosmetik nachhaltig?

Nachhaltige Kosmetik

Nachhaltig bedeutet, dass ein Produkt mit Hinblick auf zukünftige Generationen hergestellt wurde — langlebig, mit fairen und zukunftsorientierten Herstellungswegen. Doch auch wenn ein Produkt als Naturkosmetik bezeichnet und entsprechend zertifiziert ist, bedeutet das nicht zwingend, dass seine Herstellungsweise und sein Vertrieb nachhaltig gestaltet sind.

In Naturkosmetik werden häufig umweltschädigende Stoffe wie Mikroplastik, Silikone und Erdölstoffe vermieden — ein positiver Schritt, aber nicht zwingend an den Begriff Naturkosmetik gekoppelt. Unnötiges Verpackungsmaterial und Plastikverpackungen werden bei Naturkosmetik jedoch nicht zwangsläufig vermieden. Da dieser wichtige Aspekt oft außer Acht gelassen wird, ist ein zertifiziertes Naturkosmetikprodukt nicht automatisch nachhaltig.

Ist Naturkosmetik vegan und tierversuchsfrei?

Kosmetik ohne Tierversuche

Da der Begriff Naturkosmetik nicht gesetzlich geschützt ist, ist ein Naturkosmetikprodukt nicht zwingend vegan oder ohne Tierversuche hergestellt worden. Auch wenn ein Hersteller angibt, keine Tierversuche durchzuführen, können einzelne Inhaltsstoffe durch Tierversuche getestet worden sein — oder Kooperationspartner praktizieren Tierversuche, die von eben dieser Firma in Auftrag gegeben wurden. Deshalb ist es wichtig, sich bezüglich Kosmetik ohne Tierversuche und den entsprechenden Zertifizierungen gesondert zu informieren. Wirklich vegane Kosmetik lässt sich nur in Kombination mit einem spezifischen Siegel für vegane Inhaltsstoffe sicher erkennen.

Ist Naturkosmetik Bio?

Bio Kosmetik

Bei Bio-Kosmetik sollten die verwendeten Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Auch wenn man die Begriffe Naturkosmetik und Bio-Kosmetik in Assoziation bringt — Naturkosmetik ist nicht automatisch Bio. Am besten lässt sich das an den jeweiligen Siegeln erkennen.

Das Natrue-Siegel unterscheidet zwischen Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bioanteil (mind. 70 % ökologisch erzeugte Naturstoffe) und Biokosmetik (mind. 95 %). Das COSMOS Natural-Label steht für Naturkosmetik, das COSMOS Organic-Label zusätzlich für Bioqualität — hier müssen ebenfalls mindestens 95 % der Rohstoffe aus biologischer Landwirtschaft stammen. Bei Ecocert Bio-Kosmetik liegt die Grenze hingegen bei lediglich 10 %.

Ist Naturkosmetik besser?

Zusammengefasst ist Naturkosmetik ein sehr breit gefächerter Begriff und nicht zwingend immer Bio, vegan oder nachhaltig. Damit ist nicht automatisch gesagt, dass jedes Naturkosmetikprodukt besser für Mensch, Tier und Umwelt ist als ein anderes Kosmetikprodukt. Mit Naturkosmetika können manche gewünschten Wirkungen nur in abgeschwächter Form oder gar nicht erzielt werden — und auch Naturkosmetika können negative Effekte haben, empfindliche Haut schädigen, austrocknen und reizen sowie allergische Reaktionen, Pigmentstörungen oder Schuppenbildung hervorrufen.

Naturkosmetik muss kritisch hinterfragt werden. Die entsprechenden Siegel verschiedener Zertifizierungsinstanzen geben auf einem Produkt den besten Aufschluss. Insgesamt sollte man sich nicht blind auf den Begriff Naturkosmetik verlassen, sondern sich immer selbst über die verwendeten Inhaltsstoffe und Herstellungsweisen informieren.

Häufige Fragen