Hautveränderungen, sogenannte Effloreszenzen, sind wichtige Elemente der Dermatologie. Die Kenntnis der verschiedenen Effloreszenzen kann man als das kleine, dermatologische Einmaleins bezeichnen. In diesem Artikel erfährst Du, welche Effloreszenzen es gibt und warum sie zur Beschreibung von Hautbefunden so wichtig sind. Für alle Hautveränderungen siehst Du außerdem Bilder — so kannst Du erkennen, woran Du möglicherweise leidest.
Was sind Effloreszenzen?
Als Effloreszenzen werden krankhafte Hautveränderungen bezeichnet, die im Gesicht oder am ganzen Körper auftreten können. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen (efflorescere – erblühen) und lässt sich am besten mit „Hautblüten" übersetzen.
Bestimmte Hautveränderungen sind typisch für bestimmte Erkrankungen der Haut. Daher geben Effloreszenzen Hinweise auf Hautkrankheiten und helfen dabei, die richtige Behandlung zu finden. Im Folgenden werden vor allem gutartige Hautveränderungen mit Bildern dargestellt und beschrieben.
Welche Hautveränderungen gibt es?
Akanthose (Hautverdickung)
Mit Akanthose ist die Verdickung der Oberhaut (Epidermis) durch eine Verbreiterung der Stachelzellschicht gemeint. Der Auslöser hierfür ist eine Zunahme der Zellenanzahl. Eine Akanthose tritt vorübergehend bei allen epidermalen Entzündungen auf und kann zum Beispiel im Bereich der Achseln vorkommen.
Atrophie (Hautverdünnung)
Bei einer Atrophie verdünnen sich Epidermis (Oberhaut) und/oder Dermis (Lederhaut). Sie kann altersbedingt entstehen, nach Entzündungen auftreten oder hormonell bedingt sein. Auch die Anwendung von Kortison über einen längeren Zeitraum kann zu einer Hautverdünnung führen.
Blasen (Bulla) & Bläschen (Vesicula)
Kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung in oder unter der Oberhaut, spricht man von Blasen oder Bläschen. Sie sind entweder mit Serum oder Blut gefüllt und unterscheiden sich nur durch ihre Größe. Bis zur Größe einer Erbse spricht man von Bläschen, darüber hinaus von Blasen.
Erosion (Erosio)
Unter einer Erosion versteht man eine oberflächliche Hautabschürfung, die sich nur auf die Epidermis beschränkt. Gründe für die Entstehung sind beispielsweise Platzen von Bläschen, Pusteln und Blasen, Aufweichen der Haut oder Schürfungen. Eine Erosion ist eine gerötete, feuchte Fläche, die brennt und schmerzt. Bei der Abheilung entstehen keine Narben.
Exkoriation (Exkoriatio)
Reicht die Hautabschürfung tiefer in die Haut, handelt es sich um eine Exkoriation. Dabei werden die Papillenspitzen gekappt und es kommt zu punktförmigen Blutungen. Exkoriationen entstehen meist durch kräftiges Kratzen oder Schürfen. Bei der Abheilung bilden sich in der Regel keine Narben.
Flecken (Macula)
Ein Fleck ist eine reine Änderung der normalen Hautfarbe ohne tastbare oder sichtbare Änderungen der Konsistenz oder Struktur der Hautoberfläche. Es gibt verschiedene Ursachen für die Entstehung, und man unterscheidet zwischen braunen, roten, weißen und blauen Flecken.
Tumor, Knoten & Knötchen
Dabei handelt es sich um Zell- oder Gewebevermehrungen. Diese Neubildungen können entweder gutartig oder bösartig sein. Bis zur Größe eines Mandelkerns spricht man von Knötchen, Knoten können bis walnussgroß sein und bei noch größerem Ausmaß handelt es sich um einen Tumor.
Kruste (Crusta)
Auflagerungen aus eingetrocknetem Sekret (Blut, Eiter, Serum) und/oder körperfremden Stoffen werden als Krusten bezeichnet. Besteht die Kruste aus abgestorbenem Gewebe und ist fest mit der Unterlage verbunden, handelt es sich um Schorfkrusten. Sie sind gelblich-grün bis tiefschwarz.
Übersicht über die verschiedenen Flecken
- Braune Flecken entstehen durch Pigmentvermehrungen bzw. Melanineinlagerungen.
- Rote Flecken sind die Folge vermehrter Durchblutung und Weitstellung der Gefäße.
- Ein Pigmentmangel oder -verlust führt zu weißen Flecken, wie sie bei Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) typisch sind.
- Blaue Flecken entstehen durch kleine Einblutungen in die Dermis oder durch eine Pigmentvermehrung bzw. -verschiebung in die Dermis.
Melanin ist der Farbstoff unserer Haut. Melanine sind Pigmente, welche für die Farbe unserer Haut, Haare und Augen verantwortlich sind.
Lichenifikation (Flechtenbildung)
Damit ist eine Verdickung der Haut gemeint, die durch eine Akanthose, eine Hyperkeratose mit Schuppung und häufig durch eine Hyperpigmentierung am Rand gekennzeichnet ist. Eine Flechtenbildung juckt oft stark und kommt typischerweise bei chronischen Ekzemen vor.
Narben (Cicatrix)
Alle Hautdefekte, die tiefer als bis zur Epidermis-Dermis-Grenze reichen, führen zu Narbenbildung. Narben sind kollagenhaltig und frei von Haarfollikeln und Schweißdrüsen. Es gibt eingezogene (atrophische) und hochstehende (hypertrophische) Narben sowie Keloide, die durch massive Bindegewebsvermehrung entstehen. Hier kannst Du Dich über die verschiedenen Arten von Aknenarben informieren.
Quaddel (Urtica)
Quaddeln entstehen durch ein vorübergehendes Ödem in der oberen Dermis, das sich durch kurzfristig erhöhte Gefäßdurchlässigkeit (z.B. aufgrund einer allergischen Reaktion) bildet. Sie sind flach erhaben, können rot oder hautfarben sein und jucken in der Regel.
Papel (Papula)
Papeln können bis erbsengroß sein, liegen deutlich über dem Hautniveau und sind daher gut sicht- und tastbar. Sie entstehen aufgrund einer Zell- oder Gewebevermehrung oder durch die Ablagerung von Stoffwechselprodukten wie beispielsweise freie Radikale.
Pusteln (Pustula)
Bei Pusteln handelt es sich um mit Eiter gefüllte, gelblich-weiße oder grün-gelbe Bläschen. Sie weisen häufig einen schmalen, entzündlich geröteten Rand auf. Papeln oder Pusteln treten in der Regel auch bei einer perioralen Dermatitis auf.
Rhagaden (Hauteinrisse)
Bewegen sich wenig elastische, stark verhornte oder sehr trockene Hautpartien, kann die Haut reißen. Als Rhagaden bezeichnet man Hauteinrisse, die bis in die Dermis hineinreichen und in der Regel sehr schmerzhaft sind. Reißt die Haut an nicht verhornten Regionen, spricht man von einer Fissur. Hauteinrisse treten häufig über den Fingergelenken, in den Handinnenflächen und im Lippen- und Mundwinkelbereich auf.
Schuppen (Squama)
Schuppen sind größere Ansammlungen loser oder fest haftender Hornzellen. In der Regel sind Schuppen harmlos und entstehen, wenn sich die Haut erneuert. Bei wiederkehrender Schuppenbildung, Haarausfall, Entzündungen, Jucken und/oder Nässen sollte jedoch der Hautarzt aufgesucht werden.
Ulcus (Geschwür)
Als Ulcus oder Geschwür wird ein tiefer Substanzverlust bezeichnet, der mindestens bis in die tiefe Dermis reicht. Sie verheilen sehr schlecht und haben immer eine Narbenbildung zur Folge. Ursachen können vielseitig sein — z.B. bakterieller Gewebezerfall nach chemischer oder physikalischer Schädigung oder bei Durchblutungsstörungen.
Neben den bereits genannten Hautveränderungen gibt es auch noch weitere Effloreszenzen — die sogenannten Verhornungsstörungen wie beispielsweise Keratosis pilaris. Zu den Verhornungsstörungen zählen die Hyperkeratose, die Parakeratose und Zysten:
Hyperkeratose
Unter einer Hyperkeratose versteht man eine übermäßige Verhornung der Haut. Ursachen sind eine erhöhte Zellteilungsrate oder eine verminderte Abstoßung der Hautoberfläche — bildet der Körper zu viele neue Hautzellen oder stößt er alte nicht schnell genug ab, kommt es zu verstärkter Verhornung.
Parakeratose
Eine andere Art von Verhornungsstörung ist die Parakeratose. Dabei verbleiben Zellkerne oder Zellkernreste in der Hornschicht. Ursachen können ein beschleunigter Ablauf der Verhornungsprozesse oder eine Reifungsstörung der Keratinozyten sein. Hyperkeratose und Parakeratose können auch gleichzeitig auftreten — dann spricht man von einer Hyperparakeratose.
Zyste (Cystis)
Zysten sind geschlossene Hohlräume, die von einer Membran ausgekleidet sind und mit flüssigem oder festem Inhalt gefüllt sein können. In der Haut entstehen Zysten häufig als Epithelzysten durch Einschluss von Keratin oder Talg. Bekannte Beispiele sind Milien — kleine, gutartige Keratinzysten, die häufig im Augenbereich vorkommen.
Primäre vs. Sekundäre Effloreszenzen – Was ist der Unterschied?
Hautveränderungen werden je nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens in primäre, sekundäre und teilweise auch in tertiäre Effloreszenzen unterschieden.
- Primäre Effloreszenzen entstehen als direkte Folge einer Erkrankung.
- Sekundäre Effloreszenzen entwickeln sich aus primären Effloreszenzen auf bereits krankhaft veränderter Haut. Sie sind entweder ein Anzeichen für Heilungsprozesse oder chronische Veränderungen.
- Tertiäre Effloreszenzen sind nicht mehr entzündliche und meist dauerhafte Schädigungen der Haut (z.B. Narben).
Entsteht zum Beispiel aus einem Bläschen (primäre Effloreszenz) eine Pustel (sekundäre Effloreszenz), wird diese aufgekratzt und es bildet sich eine Narbe, handelt es sich bei der Narbe um eine tertiäre Effloreszenz.
Darum erleichtern Hautveränderungen die Diagnose
Jede Hautkrankheit weist charakteristische Effloreszenzen auf. Viele Hauterkrankungen lassen sich durch folgende Eigenschaften unterscheiden: Form (rund, elliptisch oder vieleckig), Farbe, Anordnung (in Gruppen oder über den ganzen Körper verteilt), Oberflächenstruktur sowie Begrenzung (unscharfer oder scharfer Übergang zur Haut).
Häufig kann daher eine Diagnose ohne zusätzliche Hilfsmittel, also nur durch Inspektion, gestellt werden. Dadurch werden sowohl Befunderhebung als auch Therapiekontrollen von Hautkrankheiten erleichtert.
Unser Fazit
Hautveränderungen, sogenannte Effloreszenzen, gibt es sehr viele verschiedene. Zahlreiche Hautprobleme lassen sich jedoch mit der richtigen Behandlung sehr gut heilen — eine korrekte Diagnose ist dafür entscheidend. Dieser Artikel dient als Anhaltspunkt, denn eine eindeutige Diagnose kann nur der Hautarzt oder die Hautärztin stellen.
